Ich bin dann mal Ex

Heute muss eine Frau die unterschiedlichsten Rollen spielen: Mutter, Hausfrau, emanzipiert, aber bitte sexy, Karrierefrau, Geliebte und auch noch beste Freundin – ein Ding der Unmöglichkeit! Doch plötzlich tauchen immer mehr Frauen auf dem Spielplatz auf, die total entspannt sind. Warum? „Ich habe mich getrennt“, lautet die Zauberformel. Mit viel Witz und Ehrlichkeit erzählt Bärbel Stolz von den höchst absurden Selbsterkenntnissen der Single 2.0-Phase und „womansplaint“ auf höchst unterhaltsame Weise, wie frau sich ihr Leben zurückerobert.

>> Gerade schleppe ich schnaufend die Einkäufe nach Hause, ich bin spät dran, Beeilung! Da hebe ich den Blick und lese an der Hauswand gegenüber ein Graffiti, das schon lange da stehen muss, denn es ist schon ganz verwittert. Aber ich sehe es heute zum ersten Mal. Da steht: Bist du glücklich?
Ich bleibe stehen. Was für eine Unverschämtheit, Fremden Leuten solche schwierigen Fragen zu stellen. (Außerdem ist das Vandalismus.) Aber die Frage geht unter die Haut. Bin ich glücklich? Sind wir glücklich? Als Familie, als Paar, als Individuum? Wir hätten jeden Grund. Aber ist es auch so? Der Alltag frisst uns auf, Spontaneität muss gut geplant werden, wir fühlen uns überfordert und haben das Gefühl, zu kurz zu kommen. Ständig ploppen neue Punkte auf der To-do-Liste auf: Marathon laufen, Hunde züchten, ein gemeinsamer Urlaub mit allen Expartnern und deren Kindern, beruflich erfolgreich sein und sexy aussehen, schwierige Yogafiguren fototauglich hinbekommen, zehn Kilo abnehmen, IKEA-Hacks entwickeln … Und die anderen scheinen das alles mühelos hinzukriegen. Ich stehe in der Blüte meines Lebens. Ich habe Kinder, Wohnung, Job und Partner erfolgreich eingesammelt. Wie geht es jetzt weiter mit dem großen Glück? Muss ich es pflegen? Aber wie? <<